lernen ermöglichen

Die Jugendgruppe will ihre Bike-Skills verbessern.
Gemeinsam mit den Jugendleiterinnen suchen sie ein geeignetes Gelände. Einige bauen Hindernisse, andere planen einen Parkour oder bereiten ein Aufwärmspiel mit Bike vor.
Die Zeit vergeht schnell: Die Jugendlichen geben sich gegenseitig Tipps, die Leiterinnen unterstützen in anspruchsvollen Momenten. Jede*r lernt im eigenen Tempo – und doch alle miteinander.
Zum Schluss erzählt jede*r, was heute gut gelaufen ist.
Was ist lernen?

Lernen verstehen wir in der Alpenvereinsjugend als einen lebendigen Prozess, der auf Erfahrungen basiert, weit über reine Wissensvermittlung hinausgeht und junge Menschen in ihrer Entwicklung umfassend begleitet und stärkt.
Durch aktives Tun, gemeinsames Handeln und Reflexion der Erlebnisse erwerben junge Menschen in unseren Angeboten unterschiedliche Fähigkeiten und Wissen.
Im Vordergrund steht dabei nicht die Leistung, sondern die Entwicklung sozialer Kompetenzen sowie ein bewusster und verantwortungsvoller Umgang mit sich selbst, anderen und der Natur.
Wie kannst du lernen ermöglichen?
ermutigende und fehlerfreundliche lernatmosphäre
In unseren Angeboten können Kinder und Jugendliche Herausforderungen annehmen, sich selbst erproben und so Selbstwirksamkeit erfahren.
Es ist gut, dass so manche Herausforderungen Nervenkitzel mit sich bringen. Wird die Angst jedoch zu groß, findet nachhaltiges Lernen nicht mehr statt.
Kinder und Jugendliche trauen sich eher, Neues auszuprobieren, wenn sie sich wohl und ernst genommen fühlen.
Eine offene Atmosphäre erlaubt Fehler, sieht sie als Lernchancen und bestärkt den Mut, Herausforderungen anzunehmen.

Praxisbeispiele
- In der Gruppe betonen, dass Fehler erlaubt sind und zum Lernen dazugehören.
- Eigene positive Erfahrungen mit Fehlversuchen teilen.
- Körpersprache und Worte bewusst nutzen, um Sicherheit zu vermitteln.
- Unterschiedliche didaktische Herangehensweisen nutzen und methodisch variantenreich arbeiten.
Reflexionsfragen
- Können sich alle in meiner Gruppe trauen, Fragen zu stellen?
- Wie reagiere ich auf Fehler?
- Fördert meine Art der Rückmeldung Mut zum Ausprobieren?
neugier und emotionen wecken
Lernen gelingt dann besonders gut, wenn wir mit Interesse und Begeisterung bei der Sache sind.
Was als spannend und bedeutsam empfunden wird, bleibt im Langzeitgedächtnis.
Daher sollten Lernumgebungen Interesse und die innere Motivation wecken, Handlungsspielräume bieten und das Staunen fördern – denn mit der Neugier kommt auch Motivation ganz von allein, und schafft Möglichkeiten für nachhaltiges Lernen.

Praxisbeispiele
- Unerwartete Impulse setzen, die zum Nachfragen anregen.
- Offene Fragen und so den natürlichen Erkundungsdrang unterstützen.
- Die eigene Begeisterung teilen.
- Gezielte Aktivitäten wie Naturerkundungen oder kreatives Gestalten als Methode einsetzen. Auch das Ermöglichen von spielerischem Lernen und das Ausprobieren neuer Erfahrungen, beispielsweise beim Kochen am Lagerfeuer oder am Bach, fördert den Entdeckergeist und das Selbstvertrauen.
Reflexionsfragen
- Habe ich in meinen Angeboten Momente, die Staunen auslösen?
- Fördern meine Methoden das Bedürfnis, mehr zu erfahren?
- Nutze ich emotionale Höhepunkte für Lernsituationen?
selbst und miteinander lernen
Alles, was wir selbst erfahren oder erleben, bleibt uns langfristig in Erinnerung.
Egal, ob beim Erkunden der Umgebung oder den kleinen und großen Entdeckungen: wenn du Kinder und Jugendliche dazu ermutigst, eigenständig Neues zu entdecken und sie ihre eigenen Erfahrungen machen lässt, entsteht nachhaltiges Lernen.
Wenn du zudem Kinder und Jugendliche dabei unterstützt, von und miteinander zu lernen und sich selbst auszuprobieren, entstehen nicht nur Fähigkeiten, sondern auch Gemeinschaft und gegenseitige Unterstützung.

Praxisbeispiele
- Eine neue Knotentechnik gemeinsam ausprobieren, ohne dass die Leitung alles vormacht.
- In Kleingruppen eine Aufgabe lösen lassen, bei der jede*r eine Rolle übernimmt.
- Erfahrene Teilnehmende die Gruppenübung anleiten lassen
Reflexionsfragen
- Gibt es genug Gelegenheiten für Teilnehmende, selbst aktiv zu werden?
- Unterstützen sich die Gruppenmitglieder gegenseitig?
- Habe ich Raum für unterschiedliche Lösungswege gelassen?
reflexion und feedback eine bühne geben
Regelmäßige, ehrliche, gegenseitige Rückmeldungen stärken den Lernprozess. Sie helfen, Missverständnisse zu klären und Lernstrategien anzupassen.
Reflexion macht Lernfortschritte sichtbar und zeigt, wie Erlebtes in anderen Situationen nützlich sein kann. Achte dabei auf eine dem Alter angepasste Sprache.
Entscheidend ist eine vertrauensvolle Beziehung: Wer sich sicher und wertgeschätzt fühlt, ist eher bereit, sich zu öffnen. Mit dieser Basis ist es auch möglich, eine reflektierte Fehlerkultur zu etablieren.
So wird Lernen auch ermöglicht, wenn nicht alles nach Plan läuft.

Praxisbeispiele
- Nach einer Aktivität eine kurze Runde: „Was hat euch heute überrascht?“
- Gemeinsam überlegen, wo eine neu gelernte Fähigkeit wieder angewendet werden könnte.
- Rückmeldungen aus der Gruppe einholen und wertschätzend zurück spiegeln.
Reflexionsfragen
- Habe ich Raum für gemeinsame Auswertungen eingeplant?
- Kommen in Reflexionsrunden alle zu Wort?
- Werden Erkenntnisse mit zukünftigen Plänen verknüpft?
Warum ist es wichtig, lernen zu ermöglichen?

Lernen schafft die Grundlage für persönliche Entwicklung, Selbstvertrauen, verantwortungsvolles Handeln und gesellschaftliches Engagement.
Wir wollen junge Menschen dabei unterstützen, sich selbst, ihre Umwelt und ihre Möglichkeiten aktiv und selbstbestimmt zu entdecken und zu gestalten.



