präventiv arbeiten

Die Jugendleiterin Eva merkt bei der Wanderung, dass Maria von zwei anderen Kindern gehänselt wird.
Nach einem Gespräch mit Maria unter vier Augen stellt Eva die beiden zur Rede und macht klar, dass so ein Verhalten in der Gruppe nichts zu suchen hat.
Die Jugendleiter*innen erarbeiten am Abend gemeinsam mit der Gruppe Verhaltensregeln, damit sich zukünftig alle wohl fühlen.
Was ist Prävention?

Unter Prävention werden Maßnahmen verstanden, die körperliche oder psychische Schäden, Verletzungen oder Krankheiten verhindern oder ihnen vorbeugen sollen.
Neben Konzepten zur Risikoreduktion im Bergsport oder einem umfassenden Gewaltschutzkonzept, gehört auch die Gesundheitsförderung dazu, zu der wir mit unseren Angeboten auch einen wichtigen Beitrag leisten.
Sie ist ein Prozess, der Menschen in die Lage versetzen soll, mehr Einfluss auf ihre körperliche und psychische Gesundheit zu entwickeln und aktiv zu verbessern.
Deine Jugendarbeit ist auch gleichzeitig Präventionsarbeit!
Wie kannst du präventiv arbeiten?
auf körperliches und mentales wohlbefinden achten
Egal, ob drinnen oder draußen, im Spiel oder beim Sport, im Wald, am Fluss oder auf dem Berg: gemeinsame Tage draußen können zu unvergesslichen Erlebnissen führen.
Wichtig ist dabei, auf das körperliche und mentale Wohlbefinden zu achten.
Das kann gelingen, wenn du beispielsweise regelmäßig Pausen einlegst, Angebote mit angepasster Schwierigkeit planst, auf die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen eingehst und emotionale Signale von Stress, Überforderung, Unwohlsein u.a. wahrnimmst.

Praxisbeispiele
- Bei einer Wanderung wird die Route an die Gruppe angepasst, sobald deutlich wird, dass die geplante Strecke zu anstrengend ist.
- In einer Klettereinheit gibt es wechselnde Stationen, damit Konzentration und Kraft nicht überstrapaziert werden.
- Ein*e Jugendliche*r ist im Kletterkurs sehr still und wirkt traurig. Die Jugendleitung bietet ihm an, für ein vertrauliches Gespräch da zu sein, wenn die/der Jugendliche* das möchte.
- Vor dem Start einer Tour heben die Kinder ihre Hand: „Daumen hoch = mir geht’s super; Daumen seitlich = geht so; Daumen runter = ich brauche Unterstützung.“ So bekommst du schnell ein Bild vom Befinden.
Reflexionsfragen
- Wie habe ich auf die Bedürfnisse einzelner Kinder reagiert (z. B. Müdigkeit, Überforderung)?
- Welche nonverbalen Signale (z. B. Rückzug, Nervosität, Erschöpfung) habe ich wahrgenommen?
- Wie kann ich beim nächsten Mal das Wohlbefinden noch stärker fördern?
- Biete ich genügend Pausen und Ausgleich zwischen Belastung und Entspannung?
- Erkenne ich frühzeitig Anzeichen von Erschöpfung oder Überforderung?
- Habe ich vor der Aktivität ausreichend Informationen zu Fähigkeiten und Grenzen der Gruppe eingeholt?
- Weiß ich von allen in meiner Gruppe, wie es ihnen geht?
sensibel arbeiten
Im Verein sind Menschen mit unterschiedlichem Alter, Geschlecht, unterschiedlicher Herkunft, Religion, Weltanschauung oder sexueller Orientierung.
Sensibles Arbeiten bedeutet, sich bewusst mit den eigenen Rollenbildern, Stereotypen und den damit verbundenen Erwartungen auseinanderzusetzen und die eigene Haltung zu reflektieren.

Praxisbeispiele
- Zu Beginn einer Aktivität stellt sich jede*r mit Namen und gewünschter Anrede/Pronomen vor.
- Bevor Spiele, Übungen, Aufgabenstellungen oder Methoden eingesetzt werden, überprüfst du: Könnte sich hier jemand ausgeschlossen oder unwohl fühlen?
- In einer kurzen Übung bringen die Teilnehmenden typische Sätze oder Bilder ein („Jungs sind stark, Mädchen vorsichtig“). Gemeinsam wird diskutiert, ob das stimmt, woher es kommt und wie man es anders sehen könnte.
- Jugendleiter*innen achten bewusst auf Sprache und Verhalten: keine diskriminierenden Witze, achtsamer Umgang mit kulturellen/religiösen Unterschieden (z. B. Essensvorschriften, Kleidungsvorgaben).
Reflexionsfragen
- Hinterfrage ich Stereotype und gehe ich aktiv gegen diskriminierende Sprüche vor?
- Wo habe ich vielleicht unbewusst Vorurteile oder blinde Flecken?
- In welchen Situationen habe ich in letzter Zeit sensibel gearbeitet – oder es verpasst?
- Habe ich eine Sprache verwendet, die alle einbezieht?
- Wie kann ich die Vielfalt in der Gruppe noch stärker wertschätzen und sichtbar machen?
diskriminierung aktiv entgegenwirken
Es ist wichtig, kulturelle Hintergründe, Lebensrealitäten, Geschlechteridentitäten und unterschiedliche Bedürfnisse anzuerkennen und miteinzubeziehen.
Sprich diskriminierende oder gewaltvolle Sprache und Handlungen konsequent an. Unterstütze betroffene Personen, setze klare Grenzen und mach deine Haltung für ein respektvolles Miteinander deutlich. Sei Vorbild, indem du selbst diskriminierungsfrei sprichst und handelst.
Dies gelingt durch Sensibilisierung, Gespräch und Austausch sowie durch klare Regeln, die ein respektvolles Miteinander unterstützen.

Praxisbeispiele
- In einer Gruppenrunde wird jemand wegen seiner Herkunft gehänselt – die Leitung stoppt die Situation sofort und thematisiert sie in der Gruppe.
- Wenn ein Kind z. B. eine abwertende Bemerkung macht („Du bist ja schwach wie ein Mädchen“), sofort aufgreifen: „Was hat das mit Mädchen zu tun? Wie kommst du darauf?“
- Ein sexistischer Witz wird nicht übergangen, sondern offen angesprochen und kritisch reflektiert.
- Bei einem Konflikt zwischen Teilnehmenden werden Regeln für einen respektvollen Umgang gemeinsam erarbeitet.
- Bewusst auf deine eigene Sprache achten, stereotype Witze vermeiden und zeigen, wie ein diskriminierungsfreier Umgang aussieht.
Reflexionsfragen
- Wie kann ich Diskriminierung in meiner Gruppe erkennen und ansprechen?
- Schaffe ich ein Umfeld, in dem sich alle sicher fühlen, ihre Erfahrungen zu teilen?
- Bin ich mir meiner Vorbildrolle und der Wirkung meiner eigenen Sprache bewusst?
- Habe ich diskriminierende Sprache oder Handlungen konsequent angesprochen?
- Wie habe ich betroffene Personen unterstützt und gestärkt?
- Gab es Momente, in denen ich unsicher war, wie ich reagieren soll?
- Welche Haltung habe ich der Gruppe gegenüber sichtbar gemacht?
gewaltprävention umsetzen
Kinder und Jugendliche sollen bei uns im Verein sicher und geschützt sein.
Als Funktionär*in ist es daher wichtig, Verantwortung für den Schutz vor Gewalt und Diskriminierung zu übernehmen.
Als Grundlage dafür dient das Kinderschutzkonzept. Wichtig ist, die eigenen Angebote mit der Gewaltpräventions-Brille zu planen.
Gestalte deine Beziehungen zu Kindern und Jugendlichen wertschätzend, aber professionell. Sei ansprechbar, empathisch und interessiert – wahre aber immer schützende Grenzen.
So entsteht Sicherheit, ohne dass Abhängigkeiten oder unangemessene Situationen entstehen.

Praxisbeispiele
- Zu Beginn einer Gruppenaktivität wird kurz erklärt, welche Regeln für Sicherheit und Schutz gelten (z. B. respektvolle Sprache, kein körperliches oder seelisches Verletzen). So wird von Anfang an Klarheit geschaffen.
- Bei einer Kanutour werden sichere Umziehmöglichkeiten organisiert, die Privatsphäre gewährleisten.
- Ein*e Jugendliche*r sucht persönlichen Rat – das Gespräch findet in einer ruhigen, aber einsehbaren Umgebung statt.
- Körperliche Hilfestellungen beim Sport werden vorher angekündigt und nur mit Zustimmung gegeben.
- Für ein Sommerlager wird die Teamaufteilung so geplant, dass immer ausreichend Betreuungspersonen in der Nähe sind.
- In der Vorbereitung eines Hallentrainings wird festgelegt, wie mit verletzungsanfälligen Übungen sicher umgegangen wird.
Reflexionsfragen
- Habe ich mögliche Risiken für Grenzverletzungen oder unangenehme Situationen frühzeitig erkannt?
- Gestalte ich Nähe und Distanz wertschätzend und professionell und wahre ich immer schützende Grenzen?
- Sind die geplanten Strukturen und Räume sicher und kindgerecht gestaltet?
- Kenne ich das Kinderschutzkonzept und setze ich es konsequent um?
- Bin ich mir meiner Rolle und Verantwortung als Jugendleiter*in in allen Situationen bewusst?
- Habe ich klare persönliche Grenzen – und kennen die Teilnehmenden diese?
- Wie reagiere ich, wenn eine Situation meine eigenen Grenzen oder die Grenzen der Jugendlichen überschreitet?
Warum ist präventives arbeiten wichtig?

Prävention in der Jugendarbeit ist wichtig, um jungen Menschen ein sicheres, gesundes und chancenreiches Aufwachsen zu ermöglichen. Mit Präventionsarbeit können nicht nur Probleme frühzeitig erkannt werden, sie stärkt auch langfristig die individuellen Ressourcen junger Menschen und unterstützt sie bei der positiven Bewältigung ihrer Entwicklungsaufgaben.
Dazu zählen z.B. die Entwicklung der eigenen Identität, der Aufbau eigenständiger Beziehungen und sozialer Bindungen oder das Kennenlernen der eigenen Handlungsspielräume. Daher ist es wichtig, ein Umfeld zu bieten, das ihre Stärken und Ressourcen erkennt und sie unterstützt und fördert.
So kannst du als Funktionär*in einen Beitrag dazu leisten, die Lebenskompetenzen von Kindern und Jugendlichen zu fördern, Vertrauen in sich und ihre eigenen Fähigkeiten zu erlangen, eigene Entscheidungen zu treffen und Selbstwirksamkeit zu erfahren.



