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risiko wählen

Kompass
Kompass

Freerideabfahrt: Die Kids ziehen ihre Spuren durch den frischen Powder, stauben die Jugendleiter*innen an der Kuppe so richtig ein und wollen am liebsten gleich weiter.

„Moment, Break!“

Die Leiter*innen klopfen sich lachend den Schnee von den Schultern und nehmen Tempo raus. Gemeinsamer Check: Wie geht es allen? Wie sind die Bedingungen? Welche der Lines sind möglich? Sie beurteilen die einzelnen Möglichkeiten und zwei Varianten stehen zur Option.

Jede*r entscheidet selbst. Weiter geht’s!

Was ist risiko?

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Risiko bezeichnet eine unsichere, herausfordernde Situation mit offenem Ausgang, die für die Beteiligten eine Bedeutung hat. Im Gegensatz zur Gefahr, die eine objektive Bedrohung darstellt, bezeichnet Risiko die Eintrittswahrscheinlichkeit eines möglichen Schadens.

Risiko zu wählen, eröffnet aber auch gleichzeitig Lern- und Erfahrungsräume. Daher arbeiten wir in der Alpenvereinsjugend mit einem positiv besetzten Risikobegriff. Indem wir bewusste Risiken eingehen, entsteht die Chance zu wachsen, neue Fähigkeiten zu entwickeln und unsere Handlungsspielräume zu erweitern. Es geht daher nicht um Leichtsinn, sondern um Situationen, die Wissen, Erfahrung, bewusstes Abwägen und Entscheiden erfordern.

Dabei ist es wichtig, Risiken bewusst zu reflektieren und verantwortungsvoll zu handeln. Gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen gestaltest du Erlebnisse, in denen Risiken erkennbar, einschätzbar und gestaltbar werden – im Rahmen einer Kultur der Verantwortung.

Wie kannst du verantwortungsbewusst risiko wählen?

Damit Risikoerfahrungen sinnvoll gewählt werden können, ist es entscheidend, dass sich Kinder und Jugendliche selbst gut kennen – und dass auch du als Jugendleiter*in ihre Stärken, Grenzen, Interessen und Erfahrungen einschätzen kannst: Der erste Klettertag kann für die einen eine große Herausforderung und mit dem Gefühl von Risiko verbunden sein, während die anderen bereits Routine haben und die persönlichen Grenzen bereits woanders liegen. 

Gegenseitiges Kennenlernen schafft somit die Grundlage für passende Herausforderungen. Indem wir Kinder und Jugendliche selbstständig Handeln lassen, Herausforderungen nur schrittweise steigern und Fehler zulassen, lernen sie Verantwortung zu übernehmen und ihre Grenzen einzuschätzen. 

Wichtig ist dabei immer die Balance zwischen Sicherheit und Herausforderung – jede Person entscheidet selbst, wie weit sie gehen möchte.

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Praxisbeispiele

  • Vor einer Klettertour mit allen besprechen, welche Vorerfahrungen sie haben und worauf sie achten wollen.
  • In einer neuen Gruppe kleine Bewegungs- und Kennenlernspiele als Übung nutzen, um herauszufinden, wer eher vorsichtig und wer abenteuerlustig ist.
  • Bevor es zum ersten Klettertag geht, die Gruppe auf einer Skala von 1–10 einschätzen lassen, wie sicher oder unsicher sie sich fühlen. Dadurch entsteht ein Bild der Ausgangslage und die Herausforderungen können individuell angepasst werden.
  • Kinder sich gegenseitig beobachten und anschließend Feedback geben lassen: „Was hast du an deiner Partnerin gesehen? Wo war sie sicher? Wo hat sie gezögert?“ – so entsteht ein Bewusstsein für Stärken und Unsicherheiten

Reflexionsfragen

  • Weiß ich, welche Erfahrungen und Kompetenzen die Kinder und Jugendlichen schon haben?
  • Haben die Teilnehmer*innen Gelegenheit, ihre eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen?
  • Können die Teilnehmenden selbst entscheiden, welchen Schwierigkeitsgrad sie wählen?
  • Habe ich die Gruppe gut eingeschätzt, oder wurde jemand über- bzw. unterfordert?
  • Wo habe ich bewusst Raum für Eigenverantwortung gelassen – und wo habe ich vielleicht zu schnell eingegriffen?
  • Wie habe ich die Balance zwischen Sicherheit und Herausforderung gestaltet?
  • Welche Kinder habe ich besonders ermutigt – und warum?

Es ist nicht nur wichtig, die Gruppe gut kennenzulernen. 

Ein bewusster Umgang mit Risiko braucht Raum für ehrlichen Austausch: über Bedenken, Ängste und Entscheidungen. 

In der Gruppe sollen Risiken gemeinsam besprochen und Einschätzungen geteilt werden. Auch Fehler dürfen offen thematisiert und als Lernchancen genutzt werden. 

So entsteht eine konstruktive Risikokultur, in der gegenseitige Unterstützung und transparente Entscheidungsprozesse gefördert werden.

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Praxisbeispiele

  • Bevor es losgeht, sagen alle, worauf sie sich freuen und wovor sie Respekt haben. So wird klar: Ängste sind normal und dürfen ausgesprochen werden.
  • Nach einer Kletter- oder Wandereinheit setzt sich die Gruppe in einen Kreis. Jede*r teilt kurz: „Das habe ich gelernt – das war schwer – da habe ich mich unterstützt gefühlt.“
  • Jugendleiter*innen oder erfahrene Teilnehmer*innen erzählen bewusst von eigenen Fehlern (z. B. falscher Knoten, schlechte Routenwahl) und was sie daraus gelernt haben. So wird ein angstfreier Umgang mit Fehlern vorgelebt.
  • Vor einer Aufgabe tauschen sich die Jugendlichen in Zweiergruppen aus: „Wie schätze ich das Risiko ein? Was macht mir Sorgen? Wie gehe ich damit um?“ – danach kurze Rückmeldung in der großen Runde.

Reflexionsfragen

  • Was haben die Teilnehmenden durch diese Erfahrung über sich selbst gelernt?
  • Welche neuen Möglichkeiten können sich daraus für künftige Aktivitäten ergeben?
  • Was führte zu unterschiedlichen Entscheidungen in der jeweiligen Situation?
  • Habe ich genügend Raum für ehrliche Gespräche geschaffen?
  • Wie habe ich selbst Offenheit und Fehlerfreundlichkeit vorgelebt?
  • Gab es Kinder, die sich nicht getraut haben, etwas zu sagen – und warum?
  • Welche Kommunikationsformen haben die Gruppe am meisten gestärkt?

Die gemeinsame Wahl anspruchsvoller Herausforderungen entscheidet darüber, ob Risikoerfahrungen motivierend und lehrreich sind. 

Aktivitäten und Orte sollten den Fähigkeiten und Zielen der Gruppe entsprechen und unterschiedliche Schwierigkeitsgrade bieten, damit jede*r den eigenen Weg finden kann. 

Natürliche Lernumgebungen wie Berge, Wälder oder Klettergebiete bieten ideale Voraussetzungen, um Risikokompetenz zu erlernen.

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Praxisbeispiele

  • Ein Klettertag, bei dem es leichte und anspruchsvollere Routen gibt, sodass jede*r das passende Level wählen kann.
  • Ein vertrauter Ort (z. B. ein Waldstück in der Nähe der Hütte) wird bei Dunkelheit ganz neu erlebt. Die „ungewohnte“ Umgebung erzeugt Spannung, ohne die Sicherheit grundsätzlich zu gefährden.
  • Eine Schatzsuche oder Orientierungstour wird in einem Waldstück durchgeführt. Durch unebenes Gelände, Bachüberquerungen oder kleine Hänge entsteht ein natürlicher Rahmen, in dem Kinder Risiko spielerisch erleben und selbst Strategien entwickeln.

Reflexionsfragen

  • Habe ich das Setting so gewählt, dass niemand überfordert ist?
  • Gestalte ich den Rahmen so, dass alle in der Gruppe ihre eigenen Herausforderungen wählen können?
  • Passte das Setting zu den Fähigkeiten und Bedürfnissen meiner Gruppe?
  • Hatten alle Kinder und Jugendlichen echte Wahlmöglichkeiten?
  • Welche Rolle spielte die Naturumgebung im Lernen der Gruppe?

Um Risiken bewusst wählen zu können, müssen Kinder und Jugendliche lernen, ihre eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen. 

Das setzt Wissen, Erfahrung, Reflexion und gezielte Anleitung voraus. 

Funktionär*innen übernehmen dabei eine wichtige Vorbildrolle – z. B. als „gläserne Leiter*innen“, die ihre Gedanken, Gefühle und Entscheidungen offen erklären und damit transparent machen, wie man mit Risiko verantwortungsvoll umgeht.


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Praxisbeispiele

  • Vor einer Flussüberquerung gemeinsam Strömung, Tiefe, mögliche Gefahren und Alternativrouten besprechen.
  • Vor einer Skiabfahrt die Gruppe die Lawinensituation analysieren und eine Route vorschlagen lassen.
  • Während einer Klettertour die eigenen Gedanken laut erklären: „Hier entscheide ich mich für den kleineren Tritt, weil ich mich sicher fühle.“ So sehen die Jugendlichen, wie Entscheidungen bewusst abgewogen werden.
  • Vor einer Route oder Aufgabe bitten: „Schätze dich selbst ein – was traust du dir heute realistisch zu?“ Anschließend können sie eine passende Herausforderung auswählen.

Reflexionsfragen

  • Habe ich meine eigenen Entscheidungsprozesse ausreichend transparent gemacht?
  • Wo konnte ich beobachten, dass Kinder ihre Fähigkeiten realistisch einschätzen?
  • Gab es Situationen, in denen Entscheidungen über- oder unterfordernd waren?
  • Welche Methoden haben die Selbstreflexion der Gruppe besonders gefördert?
  • Gibt es Raum, Entscheidungen zu hinterfragen und anzupassen?
  • Wie haben sich die Teilnehmer*in heute in der Situation entschieden und wie sehen sie den Tag rückblickend? Würden sie gleich entscheiden?

Risikobewusstes Handeln setzt Fachwissen über Gefahren, alpine Kompetenzen, eine geeignete Ausrüstung und das Erlernen von sinnvollen Entscheidungsstrategien voraus (z.B. wahrnehmen – beurteilen - entscheiden).

Durch methodisch aufgebautes Lernen können junge Menschen fundierte Entscheidungen treffen und Situationen richtig beurteilen – auf Basis von Erfahrung und Wissen.

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Praxisbeispiele

  • Vor jeder Aktivität wird ein gemeinsamer Material- und Ausrüstungscheck durchgeführt
  • Auf einer die Jugendlichen selbst mögliche Gefahrenstellen benennen lassen (z. B. lockere Steine, Schneefelder, Wetterveränderungen). Danach Fachwissen ergänzen und Strategien zum Umgang damit erklären.
  • Nach jeder Aktivität werden die individuellen Entscheidungsgrundlagen reflektiert
  • Ein kurzes Szenario vorstellen (z. B. Gewitter zieht auf während einer Tour). Gemeinsam wird in den Schritten „wahrnehmen – beurteilen – entscheiden“ durchgespielt, welche Optionen es gibt

Reflexionsfragen

  • Habe ich alle wichtigen Themen besprochen, die meine Teilnehmer*innen für gute Entscheidungen brauchen?
  • Habe ich das Wissen altersgerecht und praxisnah vermittelt?
  • Wurden die Jugendlichen aktiv ins Lernen einbezogen oder habe ich zu viel erklärt?
  • Wo konnte ich beobachten, dass die besprochenen Themen zu mehr Sicherheit im Handeln geführt hat?
  • Wie kann ich die Theorie noch stärker mit praktischen Erfahrungen verknüpfen?

Warum ist es gut, risiken bewusst zu wählen?

Kompass
Kompass

Bewusst gewählte Risiken erweitern den persönlichen Handlungsspielraum und fördern bei Kindern und Jugendlichen Selbstvertrauen, Selbstwirksamkeit, Problemlösefähigkeit, emotionale Stabilität und Resilienz.

Sie helfen, Grenzen zu erkennen und gleichzeitig zu erweitern, Entscheidungen zu treffen und persönlich zu wachsen.

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