Blind führen durchs Gelände
Kategorie(n)
Gemeinschaft & Vertrauen, Vertrauensübungen, Risiko, Inklusion, Gesprächskultur, Wahrnehmungsübung,Pädagogische Grundlagen
Beziehung aufbauen, Naturbeziehung stärken, Risiko wählen, Präventiv arbeiten,Altersstufe
Jugendliche, Junge Erwachsene,Gruppengröße
Kleingruppe (2-8), Mittlere Gruppe (9-20),Setting
Teilnehmende sollten sich bereits kennen
Umgebung
Sicheres abwechslungsreiches Gelände in der Natur mit unterschiedlicher Vegetation und kleinen Hindernissen (Alm: ca. 50 m Radius)
Dauer
15 - 60 Min.
Material
Eine Augenbinde / Person (z. B. Haube, Halstuch)
Blind führen durchs Gelände
Ablauf
- Die Gruppe trifft sich in der Mitte des Übungsgeländes. Es werden Zweiergruppen gebildet. Eine Person übernimmt die Rolle der führenden Begleitung, die andere hat die Augen zu(gebunden).
- Zunächst werden angesprochen:
- Die Grenzen des Übungsgeländes (z.B. bis zum Bach).
- Der Rollenwechsel nach 5 Minuten. Nach weiteren 5 Minuten kommen alle zurück zum Start.
- Beantwortung von Verständnisfragen zum Ablauf. - Erst dann wird der Übungsauftrag erklärt:
- Eine Person der Zweiergruppe ist von nun an „blind“.
- Die nicht sehende Person wählt den Schwierigkeitsgrad:
* geführt werden durch Berührung (an der Hand, am Ellbogen oder an der Schulter).
* kommentiertes Geführtwerden: Schritte, Bewegungen, Richtungen werden mündlich erklärt.
* Kommentar bzw. Warnung nur bei Hindernis oder Gefahr.
Der Schwierigkeitsgrad kann während der Übung verändert werden.
- Die sehende Person der Zweiergruppe führt die blinde Person durch das Übungsgelände entlang einer vorher ausgewählten, sicheren Strecke.
Ziel ist es erstens, der blinden Person eine erlebnisreiche Tour zu bieten und zweitens, dass diese sich dabei stets wohlfühlt. - Die Moderation beobachtet die Zweiergruppen und gibt nach 5 bzw. 10 Minuten das Signal „Rollenwechsel“ bzw. „Rückkehr“.
- Nachbesprechung zu zweit:
Mögliche Reflexionsfragen:
- Wie ist es dir während der Übung ergangen?
- Wann hattest du ein Gefühl von Risiko oder Unsicherheit?
- Welche Risiko-Stufe hast du gewählt – und warum?
- Was hat dazu beigetragen, dass du dich sicher oder unsicher gefühlt hast? - Gruppenleitung fragt dann in der Großgruppe nach, ob jemand noch etwas teilen möchte.
Mögliche Impulsfragen:
- Welche Erfahrungen habt ihr während der Übung gemacht?
- Was hat bei der Wahl der Schwierigkeitsstufen eine Rolle gespielt?
- Was hat zu Sicherheit/ Unsicherheit beigetragen?
variation
- geführt werden durch Berührung: kann auch nonverbal durchgeführt werden, dies funktioniert am besten wenn die nicht sehende Person voranschreitet während sie an den Schultern berührt und geführt wird. Verschiedene Zeichen durch Berührung können vorab vereinbart werden z. B. Beide Schultern klopfen für Stopp, rechte Schulter antippen für Richtungswechsel nach rechts usw.
- kommentiertes Geführtwerden: kann auch mit akustischen Signalen durchgeführt werden: hierfür können von den Teams bestimmte Signale vereinbart werden
z. B. Klatschen für Stopp, "Kuckuck" für Hindernisse, verschiedene Töne für Richtungen (vor, zurück, links, rechts) oder Pfeifen für allgemeinen Wechsel in beliebige Richtung etc.
Beachtenswert
- Hinweise zur Sicherheit geben: vorsichtig und achtsam führen, keine gefährlichen Geländestellen.
- Hinweise dazu geben, dass ein Teil der Übung mit körperlicher Berührung (Hand halten) stattfinden kann. Ein achtsamer Umgang mit Nähe und Distanz ist daher wichtig.
- Die gesamte Übung beruht auf Freiwilligkeit.
- Stopp - Regel muss eingehalten werden, daher: wenn jemand "Stopp" ruft, bleiben alle Personen an Ort und Stelle, machen Augen wieder auf und schauen, was los ist.
reflektieren des persönlichen führungsverhaltens und führungsstils
Diese Übung kann auch dazu verwendet werden, das persönliche Führungsverhalten zu reflektieren. Vorhandene Grundkenntnisse über Führungsstile sind dafür notwendig.
In den Sektionen treten wir häufig als Führungsperson in Erscheinung, insbesondere bei geführten Touren in die alpine Bergnatur. Führung kann jedoch nicht wirklich erlernt werden! Zwar ist Theorie stets erforderlich, jedoch wird ein kompetentes Führungsverhalten zum überwiegenden Maße durch Erfahrung und Reflexion entwickelt. Zudem wird unser Führungsverhalten sehr stark von unserer Persönlichkeit und den vorherrschenden Umfeldbedingungen beeinflusst. Doch was ist mein primärer Führungsstil? Wie verhalte ich mich beim Führen? Wie kann ich mein Führungsverhalten anpassen? Damit ihr diese Fragen für euch selbst beantworten könnt, gibt es im Kurs „Tage draußen – Berg“ die folgende Übung. Sie unterstützt dabei, Führungsstile differenziert betrachten zu können und das persönliche Führungsverhalten (weiter) zu entwickeln.
Ablauf
siehe oben "Blind führen", ABER: die Wahl des Schwierigkeitsgrades bitte weglassen, da der Fokus aufs Führungsverhalten gelenkt werden soll.
Nach der Klärung des Übungsauftrages geht es gleich los! Etwaige Fragen werden an die sehende (Führungs-)Person weitergegeben, da diese ab jetzt führt.
Aufbau:
Drei Runden zu je 2 x 5 Minuten (Rollenwechsel)
Nach jeder Runde wird ca. 10 Minuten reflektiert.
ERSTE REFLEXIONSRUNDE IN DER ZWEIERGRUPPE:
- Austausch der Erfahrungen der "blinden" Person über das Führungsverhalten der sehenden (Führungs-)Person
- Reflexion über die Führungsrolle der sehenden (Führungs-)Person
- Austausch darüber, was die sehende (Führungs-) Person in der nächsten Runde anders machen wird.
Für die 2. Runde werden die Zweiergruppen durchgemischt. Regeln und Ablauf bleiben gleich.
DIE 2. REFLEXIONSRUNDE THEMATISIERT:
- Die Unterschiede in der Wahrnehmung des Führungsverhaltens im Vergleich zur 1. Runde
- Weiterarbeit mit Folgefragen, wie z.B. „Warum hast du jetzt diesen Führungsstil angewendet?“ – „Wo hast du diesen Führungsstil erlernt?“ – „Kannst du dir vorstellen, auch anders zu führen?“ – etc.
- Bei der 3. Runde kommt es zu Regeländerungen. Die sehenden (Führungs-)Personen suchen sich die "blinde" Person aus, d.h. die blinde Person weiß nicht, von wem sie geführt wird. Zusätzlich wird die 3. Runde schweigend durchgeführt! Die "blinde" Person erfährt erst nachher, wer geführt hat.
Die 3. Reflexionsrunde thematisiert und vergleicht die gewonnenen Erkenntnisse und arbeitet den Transfer heraus.
variation
Die 3. Runde kann weggelassen werden. Dafür wird in der 2. Runde nach dem Rollenwechsel ohne jegliche Vorankündigung und ohne Aufklärung die sehende (Führungs-)Person geheim ausgetauscht.
mit dank an
Dipl.-Ing. Ingo Stefan MSc MBA, für das Verschriftlichen der Methode.
Du hast Feedback, spannende Methoden, Spiele oder Übungen die du gerne teilen möchtest?
Du wünschst dir Werkzeug für bestimmte Situationen in deiner Jugendarbeit?
Schreib uns gerne an jugend@alpenverein.at

