Kletterbedingungen anpassen: Klettern im alpinen Gelände
Kategorie(n)
Bergsport & Unterwegssein, Risiko, Klettern,Pädagogische Grundlagen
Beziehung aufbauen, Gemeinschaft fördern, Freiraum schaffen, Risiko wählen,Altersstufe
Jugendliche,Gruppengröße
Kleingruppe (2-8),Situation
MSL-Vorbereitung im Klettergarten, 2er-Seilschaften, fortgeschrittene Gruppe
Umgebung
Klettergarten,
fester Fels, Umlenkung
Jahreszeiten
Ganzjährig,Dauer
1–2 Stunden,Material
Standard-Kletterausrüstung
ziele
- Du und deine Gruppe übt längere Hakenabstände sicher zu bewältigen.
- Alle richten einen soliden Stand in Reihenverankerung ein und sichern vom Fixpunkt und von oben.
- Seilkommandos sitzen und werden klar angewendet.
- Die Abseiltechnik mit Kurzprusik wird sauber beherrscht.
Bildungsziele: - Wir fördern risikobewussten und eigenverantwortlichen Bergsport.
- Wir ermöglichen Gemeinschaft, Abenteuer und außergewöhnliche Erlebnisse
vorbereitung
- Geeignete Route mit soliden Umlenkern und Möglichkeit zum Standplatzbau auswählen; Rückzugsmöglichkeit checken.
- Material für Reihenverankerung bereitlegen (z. B. Expressen, Bandschlingen, HMS/Schrauber).
- Kurzprusik pro Person vorbereiten; Partnercheck-Standards der Gruppe auffrischen.
- Kommunikationsschema (Seilkommandos) vereinbaren und sichtbar notieren.
Ablauf
1. Einstieg – kurze Gesprächsrunde (5–10 Min)
- Frage in die Runde: Was ist beim Klettern in MSL-Touren anders als im Klettergarten? Nenne Beispiele: größere Hakenabstände, mehr Eigenständigkeit, Kommunikation über Distanz, Rückzug, Material- und Zeitmanagement.
- Nimm Besonderheiten/Ergänzungen der Gruppe auf und definiere 2–3 Trainingsschwerpunkte für heute (z. B. Standbau + Seilkommandos).
2. Vorstieg unter „alpinen“ Bedingungen
- Aufgabe: Route im Vorstieg klettern und dabei Hakenabstände „verlängern“ (z. B. jeden zweiten Bolt auslassen), sofern Bodensturz ausgeschlossen ist. Mit kleinem Rucksack klettern.
- Am Umlenker: korrekt umbauen/umfädeln. Danach kontrolliertes Ablassen.
- Fokus: Clip-Strategie, Clip-Positionen, Körperspannung mit Rucksack, klare Kommandos.
3. Standplatzbau und Seilkommandos
- Demo: Standplatzbau in Reihenverankerung mit weichem Auge vorzeigen. Lastpfade und Redundanz erklären.
- Übung: In der Route oder am Übungspodest Stand einrichten, vom Fixpunkt sichern (HMS/Tuber), Seilkommandos durchspielen.
- Rollen tauschen, bis jede Person beides gemacht hat (Vorstieg/Stand).
4. Sichern von oben und Abseilen
- Klettern bis zum Ring/Umlenker, dort Toprope von oben sichern (Nachstiegssicherung).
- Rückzug: Route abseilen. Kurzprusik korrekt anlegen und Back-up-Regeln anwenden.
5. Abschluss der Übungsrunde:
- Materialhandling und Kommunikation kurz reflektieren, offene Fragen klären.
Variationen
- Hakenabstände variieren (jeden 2.–3. Bolt clippen) – nur dort, wo kein Bodensturz möglich ist.
- Zusätzliche Aufgabe: Routenwechsel in der Wand (Querung) mit Seilmanagement.
- Inklusionscheck: alternative Rollen anbieten (z. B. Standbau am Boden, Sicherungssimulation), wenn Vorstieg (noch) nicht passt.
Beachtenswert
- "Bolts auslassen“ nur dort zulassen, wo ein Bodensturz sicher ausgeschlossen ist; alternativ künstlich Abstand erzeugen (Zwischenstopp vor nächstem Bolt).
- Sichern vom Fixpunkt sauber einrichten; Belastungsrichtung und Redundanz prüfen.
- Abseilen: Kurzprusik korrekt, Endknoten im Seil und klare Kommandos vor jedem Manöver.
- Kommunikation: Seilkommandos vorab vereinbaren, über Distanz deutlich und zweifelsfrei nutzen.
Rolle / Leitung
- Sicherungstechnische Standards klar demonstrieren; bei Bedarf redundant absichern (Back-up).
- Fehler beobachten und unmittelbar, wertschätzend rückmelden.
- Tempo und Routenwahl so steuern, dass jede Person einmal im Vorstieg drankommt.
Reflexion
- Was war heute spürbar anders als im Klettergarten?
- Wann hat sich dein Stand „wirklich solide“ angefühlt – woran hast du das erkannt?
- Welche Kommandos waren eindeutig, wo gab es Unsicherheiten?
- Was nimmst du dir für deine erste bzw. nächste MSL konkret vor?
Praxisbeispiel
Bei einem Jugendklettertag mit acht Teilnehmenden haben wir zwei Routen gewählt: eine für Standbau-Übungen am Podest, eine zweite für Vorstieg mit verlängerten Hakenabständen. Nach der Demo sind alle im Wechsel vor- und nachgestiegen, die Leitung hat Standplätze aktiv überprüft und Rückmeldungen gegeben. Beim Abseilen zeigte sich, dass zwei Teilnehmende den Kurzprusik falsch positionierten – wir hielten an, wiederholten die Handgriffe und ließen alle nochmals üben. Am Ende konnten alle sicher umbauen, Kommandos klar geben und fühlten sich mit Rucksack stabiler.
mit dank an
Im Programm Junge Alpinisten YOUNGSTERS ent- bzw. weiterentwickelt
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