Tourenplaner für Jugendgruppen
Kategorie(n)
Beteiligung & Entscheidung, Gemeinsam planen, Ideen- und Entscheidungsfindung, Gesprächskultur, Bergsport & Unterwegssein, Planung, Vorlagen, Arbeitsblätter,Pädagogische Grundlagen
Risiko wählen, Beteiligung ermöglichen, Präventiv arbeiten,Altersstufe
Jugendliche, Junge Erwachsene,Gruppengröße
Flexibel,Situation
Planung vor der Tour, Rückblick nach der Tour
Umgebung
Ruhiger Platz, Hütte/Kursraum (Tisch) oder draußen (windgeschützt)
Jahreszeiten
Ganzjährig,Dauer
Material
Tourenplaner-Kärtchen, Stifte, Karte, ev. Lawinenlagebericht
"Denn sie wissen, was sie tun!?"
Jede*r Jugendleiter*in kennt das vermutlich: Man sitzt mit seiner Gruppe Jugendlicher auf der Hütte und ihre Planung für die Tour am nächsten Tag steht an. Doch Kartenspielen ist gerade lustiger und dann kommt am Abend nach dem Essen noch die Müdigkeit dazu. „Wir wissen eh, was wir tun“, kommt dann auf Nachfrage zum Planungsstand. Und am nächsten Tag dann das „böse“ Erwachen. Zwei Stunden Suche nach dem eigentlichen Einstieg, das Wetter doch nicht so himmelblau wie erwartet (was aber der Wetterbericht schon wusste) oder die Gruppe verliert sich in einer endlosen Diskussion, in der keiner mehr so recht weiß, worum es eigentlich geht.
Ziel
- Jugendliche befähigen, Touren gemeinsam gut zu planen und aus Erfahrungen zu lernen.
- => Das Tourenplaner - Kärtchen soll Jugendliche dabei unterstützen, eine gute Tourenplanung zu machen.
- Beitrag zu unseren Bildungszielen:
"Wir fördern risikobewussten und eigenverantwortlichen Bergsport"; "Wir ermöglichen Mitgestaltung, Engagement und Beteiligung".
vorbereitung
- Infos einholen (Wetter, Lawinenlagebericht, Bedingungen, Karte / Topo, mögliche Routen etc.)
- Kärtchen drucken & mitbringen: Ihr könnt es entweder selbst ausdrucken oder als fertigen Flyer per E-Mail an jugend@alpenverein.at bei uns bestellen.
Tourenplaner für die Arbeit mit Jugendlichen
Ablauf
Ziel & Rahmen klären: „Wir planen gemeinsam unsere Tour", Rollen definieren (Leitung, Moderation, Dokumentation), Zeit festlegen.
1. Planung:
- Zunächst wird die erste Seite rund um die Planung besprochen und einzeln oder gemeinsam ausgefüllt.
- Dafür gibt es einerseits die klassischen Eckdaten zur Tour (Datum, Schwierigkeit, Dauer, Wetter, Verhältnisse, Material,...)
mit einem freien Feld, in dem man je nach Unternehmung z. B. Schlüsselstellen, den Ein- und Abstieg, Alternativen oder Konkreteres zum Lawinenlagebericht notieren kann.
2. Ausblick Ich & Gruppe:
- Auf der anderen Seite finden sich wichtige Fragen zum Ich (Einschätzung des Niveaus, Vorfreude, Erwartungen, Stärken, Vorsätze) und zur Gruppe (Teilnehmende, Niveau, Gruppendruck, Aufgabenverteilung, Erwartungen, Stärken, Vorsätze),
Beachtenswert: Um hier ehrliche Antworten zu erhalten, ist es als Begleiter*in wichtig, eine Stimmung zu schaffen, in der das Ansprechen von Erwartungen, Stärken, evtl. Befürchtungen oder Zweifeln möglich ist. - Der Abgleich der Erwartungen des Einzelnen mit der Gruppe (wie passen diese zusammen? gegebenenfalls gemeinsam anpassen!) räumt im Vorhinein viel Konfliktpotenzial aus dem Weg und schafft die Grundlage für eine gelungene Unternehmung.
Beachtenswert: Es lohnt sich, neben allen Aspekten auch die Ziele der einzelnen Teilnehmenden in den Blick zu nehmen und ein gemeinsames Gruppenziel zu finden. Beispielsweise könnte für jemanden das gemeinsame Unterwegssein in der Gemeinschaft im Vordergrund stehen, jemand anderer möchte die Natur genießen und schöne Fotos schießen während für zwei weitere Teilnehmende das Erreichen des Gipfels oder der sportliche Aspekt wichtiger sind. Einerseits ist es für alle gut, die einzelnen Bedürfnisse und Ziele zu kennen, andererseits kann die Tour so angepasst werden, sodass alle Freude daran haben.
Beschluss & Briefing:
=> Entscheidungen klar formulieren und dokumentieren.
=> To-dos und Rollen vergeben und festhalten: Wer checkt Wetter/Lawinenlagebericht frühmorgens? Wer führt? Wie werden unterwegs Entscheidungen getroffen?
=> Notfall‑Basics wiederholen.
3. Rückblick:
Da zu einer guten Tour auch eine Reflexion gehört, bietet der Planer auch gleich die Gesprächsgrundlage für den Rückblick danach:
Nach der Tour widmet man sich der zweiten Seite des Kärtchens, dem Rückblick.
Beachtenswert: Hier sollte man Raum und Zeit schaffen, dass zuerst jeder und jede für sich alleine den Tag Revue passieren lassen kann.
=> Erst allein ausfüllen.
Damit ist die Grundlage gelegt, um sich offen in der Gruppe auszutauschen.
"Wie war's?" (Allgemein, Ausrüstung, Planung - Ablauf, Stimmung, Können, Risikobereitschaft) "Was ist mir/uns gut gelungen?" "Was hätte ich mir anders gewünscht?" "Wie haben wir wichtige Entscheidungen getroffen?" "Welche Learnings können wir fürs nächste Mal mitnehmen?"
Wieder erfolgt ein Abgleich zwischen den Erfahrungen und Sichtweisen des Ichs und jenen der Gruppe.
Durch das regelmäßige und offene Ansprechen verlieren auf den ersten Blick unbequeme Themen ihren Schrecken. Darüber zu reden, wird normal und gehört irgendwann automatisch zu einer Tour dazu. Und mit dem Austausch untereinander, dem Ansprechen von Stärken und Fehlern, lernen wir fürs nächste Mal. Egal, ob mit oder ohne Kärtchen.
variationen
Wandelt den Tourenplaner gerne je nach Dialoggruppe und Aktivität ab.
Beachtenswert
- Atmosphäre: wertschätzend, ehrlich, jeder Person eine Stimme ermöglichen.
- Sensible Infos wie Ängste vertraulich behandeln.
- Sicherheitskultur: Wetter/Lawinenlagebericht ernst nehmen; Alternativen benennen.
- Entscheidungswege und Umgang mit Einwänden vereinbaren (z. B. Konsent mit kurzer Runde für mögliche Einwände, jede Stimme wird gehört).
mit dank an
Eva Schider & David Kupsa, für das Verschriftlichen der Methode
Danke auch an risk'n'fun und Junge Alpinisten für die langjährige Grundlagenarbeit.
Die Idee entstammt dem Tourenbuch für Edle Räusche der Alpenvereinsjugend.
Im Programm risk´n´fun ent- bzw. weiterentwickelt
Im Programm Junge Alpinisten YOUNGSTERS ent- bzw. weiterentwickelt
Bestellungen oder Feedback? Schreib uns gerne an jugend@alpenverein.at
Wir freuen uns, wenn ihr den Tourenplaner mit euren Gruppen ausprobiert und uns Rückmeldung und Feedback dazu gebt, die wir für die nächste Version 2.0 mit aufnehmen. Danke!
Du hast Feedback, spannende Methoden, Spiele oder Übungen die du gerne teilen möchtest?
Du wünschst dir Werkzeug für bestimmte Situationen in deiner Jugendarbeit?
Auch dann schreibe uns sehr gerne :)




